These 1: Wer liest heute eigentlich noch ein Buch?

Die veränderte Mediennutzung verändert die Strukturen des Buchmarktes.

Laut einer Studie des Börsenvereins gehen die Buchverkäufe stark zurück. In dieselbe Kerbe schlägt ein alarmierender Artikel der Welt. Es sind vor allem junge Käufer, die lieber zu anderen Medien greifen. Die Entertainment-Bereiche Game, Kino und Streaming legen teilweise deutlich zu.

Einzig das Buch verliert.

Stirbt das Buch?

Als leidenschaftlicher Gamer muss ich sogar zugeben, dass die Geschichten, die in Games erzählt werden, mitunter deutlich (!) anspruchsvoller und inspirierender sind, als die Geschichten mancher Romane.

Ich weiß, dass ich damit einige Leser vor den Kopf stoße. Wer aber etwa die Story von NieR Automata kennt, weiß, wovon ich spreche.

 

Sei großartig, sei analog!

Ich glaube, dass es dem Buch wieder gelingen muss, Geschichten zu erzählen, die es mit dem Storytelling der anderen Entertainment-Märkte aufnehmen können.

Oder mehr.

Die Storys der Bücher müssen jene der anderen Märkte übertreffen.

Würde es zudem gelingen, das gedruckte Buch als eine Art „analogen Monolith“ in der digitalen Landschaft der Mediennutzung zu platzieren, dann könnte das Buch eine ernst zu nehmende Alternative zum Digitalisierungswahn der heutigen Zeit bieten.

Warum nicht den Mut haben, bewusst auf ein hochwertig analoges Medium zu setzen? Etwa nach dem Motto: Wir sind analog – und das ist gut so.

Ich selbst arbeite seit Jahren in der Digitalbranche und bin ein großer Verfechter der Digitalen Transformation, doch dazu später mehr.

Und dennoch finde ich es anmaßend anzunehmen, dass das Analoge durch das Digitale aussterben wird.

Im Gegenteil.

Ich glaube, dass wir in Zeiten der Reizüberflutung, des Content-Tsunamis und der Always-on-Mentalität Räume der Ruhe und der wahren Inspiration finden müssen. Diese Orte können in Zukunft der wahre Luxus sein.

 

Das Buch als „analoge Konterrevolution“

Ich habe den Eindruck, dass das Buch zu schüchtern ist und mit aller Kraft versucht, den digitalen Medien nachzulaufen.

Selbstbewusst analog und hochwertig, mit digitalen Mehrwerten verknüpft und mit einer vernünftigen kanalübergreifenden Kommunikation versehen braucht das Buch mit hervorragenden Inhalten die Zukunft nicht scheuen.

Und was ist mit dem E-Book?

Ich selbst liebe mein Kindle. Es ist leicht, und ich kann in der Nacht wunderbar lesen, ohne Licht anzumachen.

Also doch digital?

Für mich ist es egal, ob ich ein Hardcover, ein Paperback oder ein Kindle lese.

Warum?

Weil ich nicht vernetzt bin. Weil ich mit meinem Buch alleine bin. Analog.

So provokant es auch klingen mag, aber ich sehe das normale E-Book als Teil der analogen Welt, eine digitale Ausprägung des Analogen. Anders das E-Book 2.0. Aber dazu später.

Ich selbst etwa kaufe jedes E-Book auch als Hardcover. Weil ich das analoge Flair des Buches verehre und mich mit dieser wunderbaren Energie umgeben will.

Für mich ist das Buch eben dieser „analoge Monolith“. Insofern glaube ich, dass das Buch stolz auf seinen analogen Kern sein sollte.

 

Immer nur digital. Wie langweilig.

Zu guter Letzt dürfen wir nicht in die Falle tappen und alles glorifizieren, was mit dem Wort „digital“ zu tun hat. Ich habe manchmal den Eindruck, dass der Begriff „Digitale Revolution“ zum Buzzword verkommt. Es geht aber vielmehr um eine Vision, wie wir alle leben wollen. Digital UND analog. Das Buch kann hier einen großen Einfluss nehmen.

Die digitale Welt eröffnet wunderbare Möglichkeiten. Sie birgt aber auch Gefahren.

Die größte ist ihre Oberflächlichkeit.

Ihre Belanglosigkeit.

Wer in ein Buch eintauchen will, braucht das Gegenteil davon.

Tiefgründigkeit.

Tiefes Lesen.

Dass in den USA und in den skandinavischen Ländern längst das Unterrichtsfach „vertieftes Lesen“ eingeführt wurde, wundert mich nicht.

Das macht mich optimistisch, dass das Buch erst vor seinem großen Siegeszug steht.

 

Mein Manifest

Für mich leitet sich aus dieser These der erste Wert meines Manifests ab.

Und wie lautet der?

„Die besten Geschichten findet man nur in Büchern.

Geschichten in Büchern sollten immer den Anspruch erheben, die exzellentesten zu sein. Was man braucht, ist Mut zur Tiefgründigkeit.

„Der Mut zum tiefen Lesen und Schreiben ist eine Tugend.

Nächstes Mal geht es weiter mit der These Nummer 2: Wer diskutiert heute noch über Bücher?

Aber dazu später mehr.

Bernhard Hofer